Aktueller Stickstoff-Bedarf

 

N-Monitoring - Mais

Im Rahmen der WRRL-Beratung im Wetteraukreis werden im Beratungsgebiet u. a. jährlich N-Monitoringflächen unter Mais eingerichtet. Die Flächen werden über die Vegetationszeit hinweg begleitet und anhand von Pflanzenpresssaft-Messungen und Nmin-Beprobungen wird versucht, die Stickstoffdynamik im Boden sowie den N-Versorgungszustand des Mais zu veranschaulichen. Dabei steht das Aufzeigen der erheblichen N-Nachlieferung aus dem Boden und aus organischer Düngung im Fokus. Ziel ist die Ableitung einer N-Düngeempfehlung, welche zum einen bedarfsgerechte N-Versorgung der Maisbestände sicherstellt, gleichermaßen ausreichend die N-Bodennachlieferung berücksichtigt und zur Erreichung geringer Herbst-Nmin-Werte nach Mais beiträgt.

Im Jahr 2020 wurden im Beratungsgebiet zwei Monitoringflächen auf Maisflächen angelegt. Beide Flächen befinden sich in der nördlichen Wetterau, in den Gemarkungen Wölfersheim Berstadt und Hungen Steinheim.

Auch in diesem Jahr konnte erneut gezeigt werden, dass durch N-Mineralisation aus Boden, aber auch aus organischer Düngung und ggf. Ernteresten der Vorjahre beachtliche N-Mengen freigesetzt werden.

Bei der Fläche in der Gemarkung Steinheim handelt es sich um eine Fläche mit langjähriger organischer Düngung. Nach einer organischen Düngung zur vorangegangenen Zwischenfrucht im Herbst in Höhe von 26 kg Npfl/ha bzw. 37 kg Nges/ha, wurden im Frühjahr noch 51 kg N/ha über Alzon und 36 kg N/ha bzw. 92 kg P2O5/ha über DAP gedüngt, sodass dem Mais insgesamt 113 kg N/ha zur Verfügung standen.

Der Nmin-Wert (0-90 cm) betrug bereits am 15.04., u. a. aufgrund der Andüngung der Zwischenfrucht und weiterer Mineralisierung über Winter, 103 kg N/ha, am 25.06. zu EC 31 wurden 175 kg N/ha gemessen. Der Anstieg belegt nochmals das hohe Mineralisationspotenzial unter Maisflächen, welches sich durch organische Herbstdüngung, die angebaute Leguminosen-betonte Zwischenfrucht und organische Düngung in den Vorjahren aufgebaut bzw. nochmals verstärkt hat. Gleichermaßen ergab die Pflanzenpresssaft-Messung des Mais Nitratkonzentrationen > 7000 ppm, was zu diesem EC-Stadium einen N-Luxuskonsum darstellt.

Auf der Fläche in der Gemarkung Berstadt wurden für die Untersuchungen zudem Varianten unterschiedlicher N-Düngung angelegt. Auf dem Schlag wurde bisher nicht organisch gedüngt. In den Varianten wurden 82 kg N/ha, 122 kg N/ha und 152 kg N/ha über Piamon und DAP gedüngt. Der Nmin-Wert betrug am 31.03. 46 kg N/ha. Bei der Nmin-Beprobung am 25.06. in EC 32 wurde in allen Varianten ein ähnliches, sehr hohes Nmin-Niveau von 220-243 kg N/ha gemessen. Auch ohne langjährigen Einsatz organischer Dünger war das Mineralisationspotenzial hier ebenfalls enorm. In den Varianten mit rund 80 bzw. 150 kg N/ha wurde der Pflanzenpresssaft analysiert und mit > 7000 ppm bzw. > 5800 ppm, wie bereits auf der Fläche in Steinheim eine Überversorgung mit Nitrat gemessen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass bei der Düngeplanung zum Mais alle verfügbaren N-Quellen vollständig anzurechnen sind und eine N-Düngung (inkl. Herbstdüngung oder Unterfußdüngung) in der Höhe von 60 bis 80 kg N/ha völlig ausreichend ist. Hierzu gehört neben dem Nmin-Wert im Frühjahr auch eine verbesserte Anrechnung des Stickstoffs aus organischer Düngung der Vorjahre, die Anrechnung organischer Dünger zur ZWF in Höhe des pflanzenverfügbaren Stickstoffs bzw. zur Hauptfrucht, eine Anrechnung des Vorfruchtwertes der Zwischenfrucht sowie eine Berücksichtigung der Bodennachlieferung in ausreichender Höhe. Diese Parameter werden in der Einzelschlagdüngeempfehlung berücksichtigt und können auch für Flächen ohne eigenen Nmin-Wert (bei Verwendung regionaler Nmin-Werte) angewandt werden. Eine N-Düngeplanung rein nach DBE (Fachrecht), ist vor dem Hintergrund der mehrjährigen Untersuchungen überhöht und führt zu Grundwasserbelastungen.

Das Schema zu einer wasserschutzkonformen N-Düngeplanung zu Mais finden Sie hier:

Grundsätzliches Ziel einer jeden Düngeplanung sollte sein, eine maximale N-Effizienz durch die Nutzung aller N-Quellen und eine stark optimierte/ reduzierte N-Zudüngung zu erreichen. Alle pflanzenverfügbaren N-Formen sollten in Ertrag umsetzt werden und im Herbst ein Nmin von lediglich 30-40 kg N/ha angestrebt werden. Dazu müsste z. B. der Maisbestand in der Gemarkung Steinheim nach dem 25.06. bis zur Abreife noch ca. 300 kg N/ha aufnehmen. Für den Standort in Berstadt wären noch 180-210 kg N/ha Aufnahme notwendig. Gleichermaßen ist davon auszugehen, dass aus der Mineralisation noch weiterer Stickstoff freigesetzt wird. Zur Kontrolle werden die Flächen im Oktober erneut auf ihren Nmin-Wert untersucht.